13. Februar, 2011%

Moschee im Schnee: "...über sie hinweg entschieden wurde - und wird."
Ein bekannter Kölner Architekt über den zunehmenden Widerstand gegen die städtebauliche Entwicklung von Köln und seine Bedenken zur Kölner Großmoschee.
Koelnpost.net: Herr Bregenz, in Deutschland gab es insbesondere im letzten Jahr Deutschlandweit viele Proteste für oder gegen Bauwerke. In Stuttgart geht es um den Neubau des Hauptbahnhofs. In Köln wurde heftig um den von der SPD geplanten Neubau des Schauspielhauses gestritten. Auch die große Moschee in Köln-Ehrenfeld sorgt weiterhin für Wirbel. Was halten Sie von diesen aufflammenden Diskussionen?
Bregenz: Ich kann sie gut nachvollziehen. Bauten prägen den Ort und seine Bewohner. Man kann sich manche Stadtteile ohne bestimmte Bauwerke nicht vorstellen. Ich selbst bin ein Fan alter Gebäude. Umso schlimmer empfinde ich die derzeitige Städtebauliche Entwicklung von Köln. Man hat den Eindruck, die Stadtspitze hat den Bezug zu dieser traditionsreichen und historischen Stadt völlig verloren. Was die SPD zur Zeit abliefert ist städtebaulich eine Katastrophe. Aber auch die CDU hat die Chance vertan, zu zeigen, dass sie es besser kann.
Koelnpost.net: Warum entwickelt sich der Widerstand gegen die Betonbau-Mentalität der Stadtspitze erst jetzt? Schon die CDU unter Schramma hat doch schon vor Jahren gezeigt, das sie nur noch Beton und Glas kann. Und die SPD hat sich zum Beispiel schon vor Jahrzehnten mit dem berüchtigten Reißbrett-Stadtteil Chorweiler ein historisches Negativ-Denkmal gesetzt.
Bregenz: Wahrscheinlich macht sich bei vielen Menschen in Köln erst jetzt bemerkbar, dass in dieser für die Identität der Stadt wichtigen Frage über sie hinweg entschieden wurde und – wird. Bauwerke mit denen ein Mensch aufwächst, werden zu einem wesentlichen Bestandteil seiner eigene Identität und Lebensgeschichte. Sein Leben ist in diesen Raum eingebettet.
Koelnpost.net: Auch zur Kölner Großmoschee in Köln-Ehrenfeld wurde die Bevölkerung nicht gefragt. Der Widerwillen gegen dieses Bauwerk ist groß. Und trotzdem verweigert sich die politische Elite einer offenen Diskussion. Kritiker werden in die rechtsextreme Ecke abgeschoben. Viele Bürger trauen sich nicht mehr, Ihre Kritik auszusprechen und ballen stattdessen leise die Faust in der Tasche.
Bregenz: Die Stadtspitze hat nicht begriffen, dass sie dabei ist, Heimaten zu zerstören. Es wird einfach am Reißbrett geplant. Baufirmen erhalten die Aufträge und dann wird drauflos gebaut. Das ist wohl dem Gedanken des Geldes verpflichtet. Tradition, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Doch die Wünsche und Befindlichkeiten der Bevölkerung muss man respektieren. Mich hat das Verhalten der DITIB [die türkisch-islamische Bauherrin, Anmerk. der Redaktion] und der CDU sehr verwundert. Beide haben nicht begriffen, dass sie sich langfristig selbst geschadet haben. Die CDU verliert massiv an Stimmen bei ihren Stammwählern. Teile der Bevölkerung wählen verstärkt “Pro Köln”, eine Bewegung, die sich trotz jahrelanger Stigmatisierungsversuche durch die politische Kokurrenz und den Großteil der Kölner Medien erstaunlich gut hält. Wäre die CDU damals auf die Moschee-Kritiker ernsthaft eingegangen, stände sie heute viel besser da. Ich erinnere daran, wie Ralph Giordano im Kölner Stadtanzeiger 2007 den damaligen CDU-Politiker und Moscheebaukritiker Uckermann, der heute bei Pro Köln aktiv ist, öffentlich gelobt und bestärkt hat.
Koelnpost.net: Bauwerke sind mit Emotionen verbunden. Die Großmoschee in dem Stadtteil Ehrenfeld spaltet die Gesellschaft. Welche Auswirkungen sehen Sie?
Bregenz: Bauten sollen der Bevölkerung das Gefühl von Zugehörigket vermitteln. Dieses Gefühl gibt den Menschen Sicherheit und stärkt den Glauben an eine gute Zukunft. In Köln ist es genau umgekehrt. Zumindest ein großer Teil der Deutschen Bevölkerung wird mit der Moschee der DITIB für lange Zeit Befremden und Abneigung verbinden. Das die DITIB eine eigene PR-Mitarbeiterin engagiert hat, die dann in bezahlten Artikeln eines großen Anzeigenblatts die krude These verbreitet, die Moscheebaustelle hätte bei einigen Anwohner sogar deren Schlafstörungen gelindert, spricht Bände: DITIB und auch die Kölner Politik wissen zumindest insgeheim schon ganz genau, dass das Bauprojekt hinsichtlich seiner Außenwirkung gründlich schief gegangen ist. Hätte man die Sorgen und Kritik der Bevölkerung aufgegriffen – und auch umgesetzte, wäre die Moschee heute schon lange akzeptiert.
Koelnpost.net: Herr Bregenz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Der Kölner Architekt ist seit 1978 in Köln selbständig und war an der Entwicklung mehrerer städtischer und privater Bauprojekte beteiligt. Aufgrund drohender Anfeindungen durch Politik und Medien haben wir uns entschieden, seinen Namen zu ändern.
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